Managerkommentar
Viele Marktteilnehmer machen sich derzeit Gedanken, ob der
Boden an den Aktienmärkten langsam
erreicht und eine Jahresendrally noch mög- lich ist. Oftmals gehen diese
Überlegungen mit der Beurteilung des Bewertungsniveaus eines Aktienindex,
zumeist dem S&P500, einher. Doch eine fundierte Beurteilung ist ein
schwieriges Unterfangen.
Zunächst einmal
müssen Sie sich für eine Bewertungsmetrik entscheiden. Die meisten Marktteilnehmer entscheiden sich
für das Kurs-Gewinn-Verhältnis (kurz: KGV), da es einfach zu berechnen und
leicht zu interpretie- ren ist. Wenn Sie nun eine ungefähre Ahnung haben,
wieviel Nettogewinn die 500 Unternehmen
des S&P500 im nächsten Jahr ausweisen werden (viel Glück bei Ihrer Schätzung…), müssen Sie
sich für ein faires KGV entscheiden.
Einen Anhaltspunkt liefern historische Daten.
Das durchschnittliche KGV seit
1957 liegt bei etwa 15. Nimmt man die jüngere Ver- gangenheit, z. B. 2000 bis
heute, liegt das durchschnittliche KGV bei 26.
Welches KGV also verwenden? Inwiefern sind alte Daten noch
relevant? 1957 beinhaltete der
S&P500 425 Industrieunternehmen, 15 Eisenbahnen und 60 Versorger. Heute
sind mehr als 70 Unternehmen aus dem Technologiesektor.
Welche Auswirkungen
haben Änderungen in den Rechnungslegungsvorschriften, auf denen die Nettogewinne
beruhen? Wussten Sie, dass Unternehmen vor der Enron-Pleite legal Verkäufe an
eigens gegründete Zweckgesellschaften
durchführen konnten? Und sind die heute
noch gültigen Rechnungsstandards überhaupt adäquat für die neuen Geschäftsmodelle der letzten zehn
Jahre?
Statt historische
Daten zu verwenden, können Sie auch ein faires KGV berechnen. Sie müssen nur das künftige
Zinsniveau, die Inflation und das
mittelfristige Gewinnwachstum der S&P500 Unternehmen schätzen.
Da verlassen sich Marktteilnehmer dann
doch lieber auf historische Daten…
Menschen neigen dazu,
einen komplexen Sachverhalt zu simplifizieren,
um ein besseres Verständnis für das Thema zu erhalten. Doch was
wäre simpler als nicht 500 Unternehmen
zu betrachten und sich stattdessen auf
eine Handvoll Qualitätsunternehmen zu konzentrieren, deren Free
Cash Flows stabiler sind und die sich
mit gesundem Menschenverstand bewerten lassen?
Ob der S&P500 am 31.12. bei 3.000 Punkten oder bei 4.000
Punkten steht und welches Niveau nun
fair, überbewertet und unterbewertet ist, spielt für uns keine Rolle, weshalb wir auch keine
Marktentwicklungen kommen- tieren. Wir
kaufen keine Indizes, sondern Unternehmen und halten diese langfristig. Und wer denkt „Buy & Hold“
ist (wieder einmal) überholt, der hat
nicht verstanden, um was es sich bei einer Aktie handelt.
Den ausführlichen „Monatsbericht Sustainable Smaller
Companies ESG Fund“ – 30.09.2022 finden Sie hier als PDF.
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