Finn-Ole Paulsen, CFA , Portfolio Manager bei SIGNAL IDUNA AM im Interview
03.04.2025 | 06:45 Uhr
Punica: Die Aktienmärkte in den USA bröckeln, geopolitische Unsicherheiten führen zu steigenden Euro-Zinsen im Langfristbereich – freut man sich da als Fondsmanager eines Fonds, dessen Fonds vergleichsweise kurze Durationen aufweist, weil ein Crash in greifbare Nähe rückt?
Finn-Ole Paulsen: Solche Untergangsszenarien wird man nicht von mir hören. Denn ein extremer Kurseinsturz an den Aktienmärkten lässt sich nicht vorhersagen, auch wenn die aktuelle Unsicherheit an den Kapitalmärkten durch die teilweise undurchsichtigen politischen Entscheidungen aus den USA Sorgen bereiten. Europa und der Rest der Welt sowie die Mehrheit der betroffenen Unternehmen werden sich mit der Situation arrangieren und Wege finden, mit der neuen Situation umzugehen. Ob wir für ein paar Jahre magere Zeiten an den globalen Aktienmärkten sehen, ist nur schwer zu prognostizieren.
Ich halte auch nichts davon, negative Schlagzeilen aufzubauschen, um als Portfoliomanager eines Rentenfonds mit „Defensive“ im Namen eine gute Geschichte zu erzählen. Und das brauche ich auch nicht, denn es gibt aus meiner Sicht genug Gründe, um einen Teil seines Ersparten an der Seitenlinie zu parken: Ob man sich zeitweise aus Aktienmärkten zurückziehen möchte, in nächster Zeit große Ausgaben vor sich hat oder generell große Kursschwankungen nicht akzeptieren möchte.
Wenn man denn eine defensivere Position sucht, kommt potenziell auch Ihr Fonds in Frage. Es handelt sich aber um keinen Geldmarktfonds im engeren Sinn, oder?
Der klassische Geldmarktfonds ist eine Alternative zu Tagesgeldern. Europäische Geldmarktfonds sind in der Niedrigzinsphase ein wenig aus der Mode gekommen. Insbesondere bei Fonds mit Fokus auf staatliche Emittenten oder Unternehmen mit sehr hoher Bonität war das Renditeniveau oft negativ. Fonds wie der HANSAdefensive sind formal keine Geldmarktfonds, investieren aber trotzdem am geldmarktnahen Ende des Rentenmarktes. Mal firmieren sie als Kurzläufer-Fonds, mal als geldmarktnahe Produkte. Hier ist Vorsicht geboten, da es keine klar definierten Begriffe sind. Einige dieser Fonds investieren in illiquide Wertpapiere, Fremdwährungen und/oder überwiegend in Hochzinsanleihen. Andere inkludieren Nachranganleihen, deren Laufzeit unendlich ist, aber bei denen ein Kündigungstermin des Emittenten zeitnah ansteht.
Den HANSAdefensive haben wir anders aufgesetzt. Wir haben uns für eine Strategie entschieden, die sowohl den defensiven Charakter beibehält als auch Möglichkeiten wahrnimmt, einen Mehrertrag gegenüber den klassischen Geldmarktfonds oder Bankeinlagen zu generieren. Der Fonds investiert überwiegend in hochliquide Anleihen mit variabler Verzinsung von Unternehmen und Banken mit guter Bonität. Der Kurs dieser Anleihen ist sehr schwankungsarm, da der Kupon in der Regel alle drei Monate abhängig von den kurzfristigen Zinsen (und somit nahe der Leitzinsen) neu festgesetzt wird. Auch Tages- und Festgeldsatz der Banken werden anhand der kurzfristigen Zinsen bzw. dem Leitzins festgelegt – allerdings in der Regel unterhalb dieser Zinsen und nicht wie bei den variabel verzinsten Anleihen mit einem Aufschlag in Abhängigkeit der Bonität.
Die Kursschwankung der Anleihen kommt hauptsächlich aus der Marktbewertung der Bonität der Emittenten. Wir konzentrieren uns bei den variabel verzinsten Anleihen auf kurze Laufzeiten. Die Emittenten dieser Anleihen kommen überwiegend aus dem Finanzsektor. Es sind regulierte Banken mit stabilen Geschäftsmodell und hoher Kreditwürdigkeit, beispielsweise deutsche Landesbanken wie die Helaba und amerikanische oder europäische Großbanken wie JP. Morgan oder BNP.
Neben den variabel verzinsten Anleihen investiert der HANSAdefensive auch in fixe Kupon-Anleihen von maximal 2,5 Jahren Restlaufzeit. Diese haben etwas mehr Zinssensitivität als die variabel verzinsten Anleihen, aber aufgrund ihrer kurzen Laufzeit ist diese begrenzt. Mit diesen Anleihen kann der Fonds sich in Erwartungen an Zinssenkungen ein erhöhtes Zinsniveau für seine Anleger etwas länger sichern. Hochzinsanleihen werden zudem nur als Beimischung genutzt. Hier sind maximal 20 % zulässig, wobei diese Quote in der Praxis sehr selten ausgereizt wird. Wir konzentrieren uns hier auf Emittenten, die bereits genug liquide Mittel zur Seite gelegt haben, um die baldige Fälligkeit der Anleihe zu bedienen. Diese Strategie sorgt für ein konservatives Risikoprofil bei gleichzeitig attraktiven Renditechancen. So konnte der HANSAdefensive mit einem Durchschnittsrating von A- am 31.12.2024 im vergangenen Jahr Dank des erhöhten Zinsniveaus eine Wertentwicklung von 4,55% nach Kosten bei einer geringen Volatilität von 0,31% ausweisen.
Das hat, so habe ich recherchiert, dazu geführt, dass er in seiner Peergroup über alle Laufzeiten auf einem der vorderen Plätze steht. Drücken wir die Daumen, dass Ihre Strategie weiterhin so viel Erfolg hat!
Punica Invest ist die gemeinsame Vertriebsorganisation der Aramea Asset Management AG und der HANSAINVEST Hanseatische Investment-GmbH. Sie vereinigt die Produkt- und Servicestärke beider Häuser und bietet Investoren eine breite Palette von passenden Investmentlösungen für die zunehmenden Herausforderungen am Kapitalmarkt.
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