Ein Blick auf die Bloomberg-Konsensus-Wachstumsprognosen für dieses Jahr zeigt Spanien, Griechenland sowie Portugal ganz oben in der Tabelle und Deutschland ganz unten. Die südeuropäischen Länder können dabei sogar mit den USA mithalten.
17.02.2025 | 10:21 Uhr
Die Gründe für den Erfolg sind, dass die schmerzhaften Reformen seit der Staatsschuldenkrise nun langsam ihre positive Wirkung entfalten, aber auch die Gelder der EU für staatliche Investitionen im Rahmen des Next EU Generation Funds sowie die günstige geographische Lage zur Erzeugung von Solar- und Windenergie. Diese Länder haben das Potenzial, Europa in Zukunft mit grüner Energie zu versorgen.
Dementsprechend war im Januar zu beobachten, dass der ZEW-Konjunktur-Erwartungsindex (Dienstag) für die Eurozone nahezu auf dem historischen Durchschnitt lag und damit eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums in Richtung des Potenzialwachstums von etwa 1,2 Prozent signalisierte. Der ZEW-Konjunktur-Erwartungsindex (Dienstag) für Deutschland fiel dagegen im Januar und signalisierte damit nur einen unterdurchschnittlichen Aufschwung. Ein Grund für den Optimismus für die Eurozone ist, dass die Leitzinssenkungen der EZB langsam beginnen ihre Wirkung zu entfalten. So verzeichnete die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen und private Haushalte einen Anstieg um mehr als 20 Mrd. EUR im Dezember.
Vor diesem Hintergrund sehen wir gute Chancen, dass das Konsumentenvertrauen (Donnerstag) und die Einkaufsmanagerindizes (Freitag) im Februar gestiegen sind.
Darüber hinaus mehren sich die Anzeichen, dass es politische Bewegung im Ukraine-Konflikt geben könnte. Falls die Ukraine und Russland tatsächlich ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnen und die aktuellen Frontlinien einfrieren, könnte dies langfristig Stabilität bringen. Ähnlich wie Finnland nach dem Zweiten Weltkrieg Territorium an die Sowjetunion abtreten musste, könnte es dazu kommen, dass auch die Ukraine Gebietsverluste hin nimmt und auf einen NATO-Beitritt verzichtet. Trotz dieser schmerzhaften Zugeständnisse könnte sich die Ukraine, wie Finnland, dann auf den wirtschaftlichen Wiederaufbau konzentrieren und ihre Unabhängigkeit sichern. Finnland hat nach dem Krieg eine beeindruckende Entwicklung durchgemacht und wurde zu einem wohlhabenden, stabilen Staat. Ein ähnlicher Weg wäre auch für die Ukraine denkbar – trotz territorialer Verluste, aber mit einem klaren Fokus auf Zukunft und Modernisierung.
In der kommenden Woche werden zahlreiche Daten zum Wohnimmobilienmarkt veröffentlicht: NAHB-Index (Dienstag), Neubaugenehmigungen sowie -beginne (jeweils Mittwoch) und Umsätze bestehender Wohnimmobilien (Freitag). Die Frage ist, ob sich die privaten Haushalte langsam an das höhere Zinsniveau gewöhnt haben und wieder mehr Wohnimmobilien nachfragen. Vor dem Hintergrund des soliden Arbeitsmarkts sollte eigentlich bald eine Erholung sichtbar werden.
Darüber hinaus wird noch der Philadelphia Fed Index spannend. Die US-Industrie müsste eigentlich unter dem starken US-Dollar-Wechselkurs leiden. Trotzdem war im Januar ein Sprung nach oben zu beobachten, da die Unternehmen offensichtlich eine starke Unterstützung von US-Präsident Donald Trump erwarten. Es stellt sich die Frage, ob die Euphorie im Februar noch Bestand hatte.
Der Bloomberg-Consensus rechnet mit einer Wachstumsrate des nominalen BIPs (Montag) im vierten Quartal von 3,4 Prozent gegenüber Vorjahr. Das wäre eine Beschleunigung gegenüber einer Wachstumsrate von 2,9 Prozent im dritten Quartal. Von 1995 bis 2019 war das durchschnittliche Wachstum des nominalen BIPs nur knapp über 0,0 Prozent. Seit 2022 betrug das durchschnittliche Wachstum etwa 3,2 Prozent. Das heißt, es ist ein Regime-Wechsel in Japan zu einer normalen Inflation zu beobachten. Früher galt die Daumenregel, dass das Zinsniveau in etwa dem nominalen Wachstumstrend entsprechen sollte. Es besteht also noch erhebliches Aufwärtspotenzial für die Zinsen.
Zumal sich die Inflation auf 4,0 Prozent im Januar beschleunigt haben dürfte und die Einkaufsmanagerindizes (jeweils Freitag) einen anhaltenden Aufschwung signalisieren könnten.
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