Der Markt der Roboadvisor weist seit Jahren hohe Wachstumsraten
auf. Zwar schrumpfte das verwaltete Vermögen der deutschen digitalen
Vermögensverwalter aufgrund der schlechten Entwicklung an den Börsen von knapp
zwölf Milliarden Euro (2021) auf 10,5 Milliarden Euro, doch hatte sich das
Volumen im Jahr zuvor noch verdoppelt. 2019 waren es noch vier Milliarden Euro.
Marktführer ist mit großem Abstand der zur Union Investment gehörende Robo-Advisor
Visualvest, gefolgt von Scalable. Laut der Erhebung von „extraETF“ verwaltete
Visualvest im März 2023 ein Vermögen von rund fünf Milliarden Euro, Scalable
Capital drei Milliarden Euro und der drittgrößte Roboadvisor Quirion 1,3
Milliarden Euro. Dabei verwaltet Visualvest auf ihrer Plattform noch weitere
Gelder. „Das auf unserer Plattform betreute Anlagevolumen liegt aktuell bei
rund sieben Milliarden Euro. Diese Summe umfasst nicht nur den Robo-Advisor
VisualVest, sondern alle auf der Plattform basierenden
Vermögensverwaltungslösungen“, erläutert Felix Coutandin-Freund, Marketing
Manager von Visualvest in Frankfurt gegenüber fundresearch. In der vor Kurzem
veröffentliche Robo-Advisor-Studie 2023 von Fondsconsult wurde Visualvest zum Gesamtsieger gekürt. Neben der
risikoadjustierten Performance der Portfolios (quantitatives Ergebnis) floss in
dem Gesamtergebnis zur anderen Hälfte auch das qualitative Ergebnis ein. In der
qualitativen Auswertung wurden unter anderem das Portfolio- und
Risikomanagement, die Anlegerprofilierung sowie die Kostenstruktur nach einem
Scoringverfahren beurteilt. Die
Bandbreite der Kosten der 21 getesteten Roboadvisor reicht dabei von 0,48 Prozent
(Raisin.invest) bis 2,68 Prozent (Vividam) p.a.
Wer sind die Kunden
von Robo-Advisors?
Da Robo-Advisor häufig in ETFs investieren, fallen für
Anleger kleinerer Beträge und Sparplänen oft geringere Kosten als mit dem von
konventionellen Vermittlern angebotenen Investments an. EU-Kommissarin Mairead McGuiness hat das ursprünglich geplante Provisionsverbot im Rahmen der EU-Kleinanleger-Strategieauch damit begründet, dass Kleinanleger günstiger und objektiver durch
Roboadvisor als durch Finanzanlagenvermittler beraten werden. Müssen
menschliche Vermögens- und Anlageberater daher damit rechnen, bald durch
Roboadvisor ersetzt zu werden? Die entscheidende Antwort dazu werden die
Anleger geben. Laut einer Studie der DeutscheBank Research zu den Kunden von Robo-Advisor von 2020 sind diese in
Deutschland bislang vorwiegend männliche Anleger im Alter von 45 bis 54 Jahre,
die einen digitalen Investmentansatz betreiben, vorwiegend Online-Banking
betreiben aber auch Filialbanken nutzen (siehe Grafik1-DB Research).
Bedrohen Roboadvisor
die Jobs menschlicher Vermögensberater?
The Vanguard Group, nach Black Rock der zweitgrößte
Vermögensverwalter der Welt und Anbieter der ersten ETFs für Privatanleger, hat
im vergangenen Jahr Anleger von Anlage- und Vermögensberatern und von
Robo-Advisor in den USA nach ihren Präferenzen und Einschätzungen (Quantifying the investor´s viw on the valueof human and robo-advice) befragt. Danach gaben die 1500 befragten
Investoren mehrheitlich an, dass sie glauben, mit digitaler oder menschlicher
Beratung den Wert ihres Vermögens steigern zu können. Im Durchschnitt schätzten
sie den zusätzlichen jährlichen Wertzuwachs (Mehrwert) durch digitale Beratung
auf drei Prozent und durch menschliche Beratung sogar auf fünf Prozent ein. Auf
die Frage, wohin sie wechseln würden, wenn sie ihren persönlichen Finanzberater
verlassen würden, gaben 76 Prozent der persönlich beratenden Kunden an, dass
sie sich wieder ann einen menschlichen Finanzberater wenden würden. 17 Prozent
wollten dann menschliche und digitale Finanzberatung miteinander kombinieren,
nur vier Prozent würden sich ausschließlich durch einen Roboadvisor beraten
lassen und nur drei Prozent ihre Finanzanlagen selbst ohne jegliche Beratung
durchführen (siehe Grafik unten). Dagegen gaben unter den Roboadvisor-Kunden 88
Prozent der Befragten an, dass sie bereit wären sich auch von einem
menschlichen Finanzberater beraten zu lassen. Sechs Prozent waren indifferent
und sechs Prozent lehnten eine Beratung durch einen menschlichen Finanzberater
grundsätzlich ab. Für die Vermögens- und Anlageberater sind diese
Umfrageergebnisse also durchaus ermutigend. Dabei spielt die emotionale
Unterstützung der Finanzberater für die Kunden eine große Rolle. Menschen
lassen sich lieber durch Menschen als durch Maschinen beraten. So fällt die Zufriedenheitsquote unter Anlegern mit
persönlicher Beratung höher (84 Prozent) höher aus als unter Anlegern, die ihr Depot von Robos
managen lassen (77 Prozent). Allerdings präferieren die befragten
Anleger für funktionale und
standardisierbare Aufgaben im Portfoliomanagement digitale Angebote. Dazu
zählen vor allem Verwaltungs- und Steuerungsprozesse wie Depoteinrichtung,
Erfolgskontrolle, Szenario-Planung, Portfolioaufbau und
Portfoliodiversifizierung. Finanzberater können folglich diese Bereiche an
digitale Dienste delegieren oder ausgelagern und so Zeit und dem Kunden Kosten
ersparen. Die Schlussfolgerung für die Finanzberater könnte daher sein, dass
sie die emotionalen Aspekte ihrer Beratung in der Kundenbeziehung einsetzen und
sich dem digitalen Kontrahenten zum Verbündeten machen.
Deutsche Marktführer
kooperiert mit regionalen Banken
Das große Anlagevolumen von Visualvest beruht auch auf der
Zusammenarbeit mit Beratern vor Ort. „Das schnelle Wachstum des von uns
betreuten Anlagevermögens basiert auf der Zusammenarbeit mit unseren
Kooperationsbanken. Unsere Lösungen zur digitalen Vermögensverwaltung sprechen
nicht nur junge, digital-affine Endkunden an, sondern werden als White-Label
auch von den Banken in der Kundenberatung vor Ort erfolgreich eingesetzt“, so
Felix Coutandin-Freund von Visualvest. Diese White-Label-Produkte für Volks-
und Raiffeisenbanken tragen Namen wie MeinInvest oder VermögenPlus. Dadurch
besteht für die Banken und ihren Beratern nicht die Gefahr, ihre Kunden zu
verlieren oder in wesentlich in andere, als on bisher vermittelten Fonds zu
investieren. „Sie profitieren dort von den Portfolios in den entsprechenden
Produkten, in denen Fonds von Union Investment enthalten sind“, sagt Felix
Coutandin-Freund. Die Anleger zeichnen sich durch einen hohen Grad der Treue
gegenüber dem Roboadvisor aus. „Wir haben einen hohen Anteil an Bestandkunden,
die über einen längeren Zeitraum mit uns Vermögen aufbauen“ erläutert der
Marketing Manager von Visualvest. Das Vertriebsmodell von Visalvest kann daher
als erfolgreiche Umsetzung der nach der Vanguard-Umfrage ermittelten
Präferenzen der Anleger angesehen werden. In den regionalen Banken sind die
Bankberater Ansprechpartner, die technische Umsetzung der Anlage erfolgt jedoch
regelorientiert über den Kooperationspartner Visualvest.
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