In ihrer Haushaltsrede am Mittwoch nannte Angela Merkel die
Digitalisierung als eine der größten Herausforderungen. Deutschland stehe in einem wahnsinnigen globalen
Wettbewerb. Der Fortschritt bei der Digitalisierung solle bei einem
großen Ziel weiterhelfen: "Wir wollen wieder überall Weltklasse werden", so Merkel. Dieser Absatz in der Rede der Bundeskanzlerin ist kein Zufall. Das Wort Digitalisierung benutzt sie in letzter Zeit häufiger.
Die Erkenntnis: Wenn sogar die Bundeskanzlerin mit dem Begriff Digitalisierung mittlerweile etwas anfangen kann, muss sich etwas bewegt haben in diesem Land. In der Tat ist etwas in Bewegung geraten. Die sogenannte digitale Transformation mischt derzeit etablierte Branchen auf. Das lässt sich auch an der Entwicklung des Arbeitsmarktes ablesen. Die Stellenmärkte zeugen von einer Verschiebung der Präferenzen. So hat die Jobplattform Joblift in ihrer aktuellen Analyse aller 15 Millionen Online-Inserate der vergangenen beiden Jahre herausgefunden, dass es im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich zu einem Jobwachstum von 54 Prozent in den Unternehmen kam, die den digitalen Wandel vorantreiben. Das lässt sich zum Beispiel im Immobilien- oder Gesundheitswesen deutlich beobachten. In einigen Bereichen betrug das Wachstum der Analyse zufolge sogar über 120 Prozent.
Fünf Tech-Branchen als neuer Jobmotor
Insgesamt schrieben
laut Joblift-Analyse die unterschiedlichen Tech-Bereiche über 53.000
Jobangebote in den letzten 24 Monaten aus. Anhand der Anzahl der
veröffentlichen Inserate wurden die Top Fünf Technologiesektoren
bestimmt: FinTech (13.000 Jobangebote), HealthTech (5.700), PropTech
(5.600), TravelTech (5.100) und LegalTech (1.800). Somit entstanden in
den Top Fünf Tech-Sektoren rund 31.200 Stellen, während insgesamt 15
Millionen Jobs branchenübergreifend in Deutschland inseriert wurden. Der
Anteil der Top Fünf entspricht zwar gerade einmal einen Anteil von
unter einem Prozent am gesamten Stellenmarkt, allerdings kam es zu einem
durchschnittlichen Stellenwachstum von 50 Prozent im Vergleich zum
Vorjahr. Das höchste Wachstum konnte LegalTech mit 150 Prozent
verzeichnen. FinTech bildete den Sektor mit den meisten Jobangeboten,
dieser wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 51 Prozent. Abgeschlagen auf
dem letzten Platz landete TravelTech mit einem Anstieg von immerhin 26
Prozent. Zum Vergleich: Der gesamtdeutsche Stellenmarkt wuchs im selben
Zeitraum nur um 15 Prozent.
Tech bedeutet nicht gleich Startup
Dass
Digitalisierungskonzepte vornehmlich in Startups entwickelt werden,
kann durch die Analyse nicht belegt werden und hängt den Autoren der
Studie zufolge stark von den Branchen ab. Im Vergleich der Top Fünf
Tech-Branchen stellte sich PropTech als Sektor mit den meisten Startups
heraus, wenn davon ausgegangen wird, dass Kleinunternehmen vorrangig
Startups sind – 80 Prozent der Stellenanzeigen wurden hier in
Unternehmen mit unter 50 Mitarbeitern ausgeschrieben. Im HealthTech
Bereich hingegen zeichnete sich ein anderer Trend ab: Nur 30 Prozent der
ausgeschriebenen Jobs stammten von Unternehmen mit unter 50
Mitarbeitern. Stattdessen wurden knapp zwei Drittel der Gesuche in
Großkonzernen mit über 1.000 Mitarbeitern inseriert.
Fachkräftemangel im Tech-Bereich
Die
Stellenausschreibungen der einzelnen Bereiche blieben ungewöhnliche
lange unbesetzt. Während Inserate im branchenübergreifenden deutschen
Durchschnitt rund 36 Tage geschaltet waren, fiel die Vakanzzeit in den
unterschiedlichen Tech-Bereichen mit zehn Tagen mehr um fast ein Drittel
länger aus. Das deutet darauf hin, dass die Bereiche erhebliche
Probleme haben, die passenden Fachkräfte zu rekrutieren. Ein Fünftel der
Stellenausschreibungen richtete sich an stark nachgefragte
IT-Fachkräfte, was unter anderem die lange Anzeigendauer erklären
könnte. Mit 54 Tagen ist TravelTech Spitzenreiter. HealthTech besetzte
offene Stellen am schnellsten, durchschnittlich nach 42 Tagen und somit
12 Tage früher.
Hoher Akademisierungsgrad
Einen weiteren
Grund für die lange Vakanzzeit könnte außerdem der hohe
Akademisierungsgrad der ausgeschriebenen Stellen darstellen. Im
Durchschnitt der untersuchten Tech-Branchen forderten 78 Prozent der
inserierten Stellen einen Bachelor- oder Masterabschluss, nur in 18
Prozent der Fälle reichte ein Bachelorabschluss aus. Im Bereich
LegalTech wurde der hohe Akademisierungsgrad besonders deutlich: 68
Prozent der Stellenangebote erforderten mindestens einen Master, was
unter anderem an den benötigten Jobprofilen im Bereich IT und Juristik
liegt.
Tech-Zentrum Berlin
Im regionalen Vergleich stellt
sich Berlin mit einem Drittel der Stellen als wichtigster Standort der
Top Fünf Branchen heraus. München ist in drei Bereichen an zweiter
Stelle platziert, mit rund einem Zehntel der Vakanzen. Lediglich
FinTech- und PropTech- Unternehmen weichen von diesen beiden Standorten
ab. Die Bankenmetropole Frankfurt am Main setzt sich als
zweitwichtigster Standort für FinTech und Nürnberg für PropTech durch.
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