„Das Ranking möchte für die
Wichtigkeit des Themas sensibilisieren und Defizite offenlegen“, sagt Carola
Schroeder, die das Portfoliomanagement von Union Investment leitet. „Die
Unternehmen sollen das Ranking nicht als Kritik, sondern als Ansporn verstehen.
Dann wird der Kapitalmarkt zum Motor für gute Unternehmensführung, wovon
Unternehmen und Aktionäre gleichermaßen profitieren“, erläutert Schroeder. Sie
plädiert dafür, das Thema Corporate Governance nicht isoliert zu betrachten,
sondern in einem breiteren ESG-Kontext zu sehen: „Nachhaltigkeit ist
fundamental geworden. Wir wollen als Treuhänder die Transformation der
Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit aktiv begleiten.“
Die Noten sind schlechter als im Vorjahr
Der Notenschnitt liegt im DAX bei 2,7 (Vorjahr: 2,2) und im MDAX bei 3,3
(Vorjahr: 3,2) und hat sich damit im Vergleich zur letzten Erhebung des
Rankings verschlechtert. „Wir haben das Ranking überarbeitet und die Latte bei
den Anforderungen höher gelegt“, ordnet Vanda Rothacker, Senior ESG-Strategin
mit Schwerpunkt Corporate Governance bei Union Investment, die Ergebnisse ein.
„Wir konzentrieren uns auf Kriterien, bei denen wir noch Verbesserungspotenzial
sehen. Der strengere Blick basiert aber nicht auf neuen, utopischen Vorgaben,
denn einige Unternehmen haben sich auch in dem geänderten Rahmen verbessert“,
sagt Rothacker.
Knackpunkt: Unabhängigkeit und Ämterhäufung
„Dauerbrenner im Blick auf Governance-Defizite bleiben leider
die Themen Unabhängigkeit und Ämterhäufung.“ Die Analyse legt insgesamt einen
stärkeren Fokus auf ESG-Transparenz. „Das ist uns wichtig, denn wir wollen die
Verzahnung von Umwelt- und Sozialkomponenten mit der Governance herausstellen.
E und S funktionieren nur, wenn sie in die Governance integriert sind“, betont
Rothacker. Spitzenreiter im DAX mit Note 2+ sind Mercedes-Benz und Deutsche
Börse, Schlusslichter sind Sartorius und Porsche AG mit Note 4 sowie die
Porsche Automobil Holding SE mit Note 5+.
Thyssenkrupp und GEA Group liegen an der Spitze
Im MDAX führen Thyssenkrupp und GEA Group das Feld mit Note 2 an, während hier gleich drei Unternehmen die für eine ausreichende Leistung nötige Mindestpunktzahl von 50 Punkten nicht erreichen: Bechtle, Nemetschek und CTS Eventim. Mit Blick auf die großen Notenunterschiede im MDAX bemängelt Rothacker: „Wenn man im Ranking weiter nach unten schaut, wird es düster. Hier haben die Unternehmen noch sehr viele Hausaufgaben zu machen, speziell beim Thema Transparenz.“
Das Ranking basiert auf 73
bewerteten Fragen zu sieben Themenfeldern, die für Union Investment bei der
Bewertung der Corporate Governance von Unternehmen relevant sind: 1. Kapital,
2. Vorstand, 3. Aufsichtsrat, 4. Vorstandsvergütung, 5. Aufsichtsratsvergütung,
6. Abschlussprüfung und 7. Transparenz.
Maximal 100 Punkte möglich
Die erhobenen Datenpunkte werden auf einer Bewertungsskala von 0 bis 3
gewichtet. Maximal können 100 Punkte erreicht werden. Die Gesamtpunktzahl wird
in ein Schulnotensystem übersetzt: Für eine ausreichende Leistung (Note 4)
müssen mindestens 50 Punkte erreicht werden. Das Ranking ist im Sinne
bestmöglicher Objektivität und Vergleichbarkeit rein quantitativ angelegt und
beruht auf breiter Datengrundlage. Bewertungsbasis bei allen Unternehmen sind
die öffentlich verfügbaren Daten per Januar 2024. (jk)
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