Ausgeglichene Handelsbilanzen sind selten. Die
USA haben seit zwei Jahrzehnten ein riesiges Defizit und sind gezwungen,
Kredite vom Rest der Welt aufzunehmen, um ihre Käufe zu finanzieren. Exportländer
wie China, Japan und Deutschland mit Leistungsbilanzüberschüssen sind
Kreditgeber und erhöhen ihr Auslandsvermögen, indem sie in amerikanische
Staatsanleihen, Immobilien oder Unternehmensanteile investieren.
Leistungsbilanz (kumuliert) seit 2004 in Mrd. USD
Quelle: MARS Asset Management, Oxford Institute
Die vorliegende Grafik zeigt, dass Waren- und Geldströme
korrespondieren. Dennoch sind die 2 Seiten derselben Medaille nicht vollkommen deckungsgleich,
da Währungsveränderungen auftreten und nicht alle Investitionen sich rechnen. Die
Schere von Leistungsbilanzüberschüssen und Auslandsvermögen (rote 45°-Linie)
geht insbesondere in der Eurozone und Deutschland auseinander. Das Auslandsvermögen
stieg damit nicht im gleichen Ausmaß mit den kumulierten Handelsüberschüssen. Unternehmen,
Banken und Sparer aus der Eurozone bzw. Deutschland haben folglich ihr Kapital
im Ausland verlustreich angelegt.
Deutschland hat zwischen 2004 und 2018 hat ein kumulierter
Leistungsbilanzüberschuss von ca. 2.800 Mrd. Euro erwirtschaftet (blaue Säulen
/ Linie). Im gleichen Zeitraum stieg aber das Nettoauslandsvermögen auf nur ca.
1.600 Mrd. Euro. Daraus kann man Verluste in Höhe von fast 1.200 Mrd. Euro
ableiten. Dies entspricht einem Drittel der jährlichen Wirtschaftsleistung
Deutschlands.
Leistungsüberschüsse und Nettoauslandsvermögen Deutschlands in Mrd. Euro
Quelle: MARS Asset Management, Oxford Institute,
Deutsche Bundesbank
Neben den bisherigen Verlusten könnten weitere
Wertberichtigungen im deutschen Auslandsvermögen in Zukunft anstehen, denn ein
Großteil des deutschen Exportüberschusses ist in Form von Krediten der
Krisenländer des Eurosystems bezahlt worden. Aktuell betragen die Forderungen
Deutschlands im Target 2-System der EZB ca. 900 Milliarden Euro, die sich in
Luft auflösen, wenn die Schulden nicht beglichen werden (gelbe gestrichelte
Linie).
Die Auslandsvermögen anderer Länder im
Euro-Raum wie etwa die von Belgien, Italien oder Österreich haben im gleichen
Zeitraum eine positive Rendite erzielt. Auch Länder außerhalb der Währungsunion
wie die Schweiz und Japan konnten steigende Auslandsvermögen vermelden.
Offensichtlich investieren die Deutschen nicht ganz so klug.
FAZIT: Die Exportüberschüsse zeigen die Stärke
des Exportsektors, aber nicht die der Gesamtwirtschaft. Solange die Deutschen
für ihre hohen Exportüberschüsse verlustreiche Anlagen kaufen, bekommen sie für
einen Teil der Exporte nichts. Ähnliches könnte sich in der Euro-Zone
wiederholen, wenn Umschuldungen im Target-2-System stattfinden. Kurzum: Wir
Deutsche sind Exportweltmeister, jedoch keine Geldmeister.
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