TiAM FundResearch: Was
sind die Gründe, dass Bitcoin und andere Kryptos so unter Druck gekommen sind?
Dr. Alex von Frankenberg: Bitcoin
befindet sich innerhalb des Bullenmarkts in einer üblichen und normalen
Konsolidierungsphase. Ähnliches haben wir im vergangenen Jahr zwischen März und
Oktober in einem Preisrange von 50.000 bis 65.000 Dollar gesehen. Immerhin war
im letzten Quartal 2024 der Preis aus dieser Range mehr als 50 Prozent auf über
100.000 Dollar gesprungen. Da sind Konsolidierungsphasen nicht nur normal,
sondern auch sehr gesund. Relativ zu sehr vielen anderen Kryptowährungen
entwickelt sich Bitcoin sehr gut. Leider zeigt sich, dass der Hype bei vielen
Kryptowährungen einfach verschwindet und nachhaltige Geschäftsmodelle nicht
gefunden werden können. Daher entwickeln sich diese relativ zu Bitcoin schwach.
Wie
tief kann der Bitcoin-Kurs noch fallen. Gibt es eine Art Unterstützungslinie?
Die Zukunft
ist ungewiss, natürlich können die Preise noch fallen. Bei schlechten
Nachrichten, beispielsweise wenn die strategischen Bitcoinreserven doch nicht
entstehen würden oder gar Microstrategy anfangen würde zu verkaufen, auch
erheblich. Innerhalb von Bullenmärkten gab es wiederholt Korrekturen um die 30 Prozent.
Ohne besonders schlechte Nachrichten ist es gut möglich, dass wir den Tiefpunkt
der Korrektur gesehen haben. Der Widerstand bei rund 65.000 Dollar aus dem
letzten Jahr ist wahrscheinlich jetzt eine stabile Unterstützung.
Was
spricht für eine Erholung der Kurse?
In den
letzten Jahren korreliert Bitcoin eng mit der rund zwei bis drei Monate
zeitversetzten weltweiten Entwicklung der M2 Geldmenge. Wenn diese Korrelation
erhalten bleibt, wird Bitcoin ab April wieder Richtung 100.000 Dollar steigen.
Das Gleiche gilt, wenn die Technologiewerte an den Börsen Ihre Korrektur
beenden. Es spricht aus heutiger Sicht mehr für eine positive Entwicklung als
dagegen.
Wann
könnte diese erfolgen? Was könnte der Katalysator dafür sein?
Letztlich
ist es die Nachfrage, die Kurse treibt. Ein sehr großer Katalysator wäre
natürlich, wenn die US-Bundesregierung oder einzelne Staaten tatsächlich
anfangen, Bitcoin zu kaufen. Oder eine oder mehrere relevante Notenbanken. Der
tschechische Notenbankpräsident hatte das ja angekündigt. Wahrscheinlich kaufen
mehr Unternehmen im Hintergrund als bekannt wird. Letztlich sind es sehr
vielfältige Netzwerkeffekte, die die Nachfrage immer weiter und dauerhaft
unterstützen.
Wo
sehen Sie mittelfristig (3-5 Jahre) den Bitcoin-Preis
Die
Rahmenbedingungen sind unverändert: Weltweit wächst die Geldmenge, Bitcoin ist
unveränderbar begrenzt. Mehr Geld trifft auf ein begrenztes Angebot. Das treibt
die Nachfrage auch bei anderen begrenzten Gütern wie Gold, top Immobilien oder
top Aktien. Deswegen wird sich die positive Preisentwicklung von Bitcoin in
dieser Dekade fortsetzen. Bitcoin wird sich als Assetklasse weiter entfalten,
sich Gold annähern und Anfang der Dreißiger Jahre Gold einholen. Dies würde –
natürlich abhängig von der weiteren Entwicklung des Goldpreises – einen hohen
sechsstelligen und irgendwann auch siebenstelligen Bitcoin Preis bedeuten. Die
einzige echte Bedrohung für Bitcoin ist eine solide Finanzpolitik der Staaten.
Schon die alten Römer haben vor 2000 Jahren Geld gedruckt, in dem sie den
Goldgehalt der Münzen reduziert haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass die
Gelddruckorgien enden, ist Null. Das sehen wir gerade ganz aktuell in
Deutschland. Das heißt, Bitcoin wird – manchmal auch mit sehr starken
Schwankungen – immer weiter steigen.
Weshalb
ist Bitcoin Ihr Favorit unter den Krypto-Währungen?
Bitcoin ist
innerhalb der Kryptowährungen heute schon der de-facto Standard für die
„Store-of-Value“ Anwendung. Hier beträgt der Anteil von Bitcoin 99 Prozent.
Sehr substantielle Netzwerkeffekte sorgen dafür, dass Newcomer keine Chance
haben, Bitcoin diese Position streitig zu machen. Sollte Bitcoin auch außerhalb
der Krypto-Welt sich zu einem de-facto Standard für Store of Value entwickeln,
dann wird die Bitcoin Marktkapitalisierung einhundert oder zweihundert
Billionen oder mehr überschreiten, der Bitcoin also einen Wert von 5 bis 10
Millionen Dollar erreichen. Das dauert sicher noch eine Weile, vielleicht 20
Jahre.
Dr. Alex von Frankenberg,
Autor und Technologie-Experte, prägte als langjähriger Geschäftsführer des
High-Tech Gründerfonds (HTGF) die europäische Start-up-Landschaft. Unter seiner
Führung entwickelte sich der HTGF mit nahezu 800 Seed-Investments zum aktivsten
Frühphasen-Investor Europas und verwaltet ein Fondsvolumen von 2 Milliarden
Euro in fünf Fonds. Seine tiefgreifende Expertise in Technologie und Innovation
baute er durch Positionen in der Siemens-Forschung, bei einem Company Builder
sowie in der Strategie- und IT-Beratung auf. An der University of Texas at
Austin absolvierte er sein MBA-Studium und promovierte anschließend an der
Universität Mannheim über die Entstehung von de-facto Technologiestandards –
ein Thema, das seine spätere Karriere prägen sollte. Seit vielen Jahren widmet
er sich der Analyse disruptiver Technologien, Corporate Innovation und der
Start-up-Ökonomie. Seine langjährige Forschung zu Netzwerkeffekten und
technologischen Standards führte ihn zum Bitcoin-Ökosystem. Er sieht in Bitcoin
das Potenzial, sich als de-facto Standard für digitale Wertspeicherung zu
etablieren.
Sein Buch: „Bitcoin – Das
ehrliche Geld“
Warum wird die Eiskugel
immer teurer? Warum kostet das Leben jedes Jahr mehr? Die schleichende
Geldentwertung betrifft uns alle – doch es gibt eine Alternative. Alex v.
Frankenberg nimmt sie mit auf eine Entdeckungsreise zu den Herausforderungen
unseres Geldsystems. Mit lebensnahen Beispielen macht er deutlich, wie sich die
kontinuierliche Entwertung unseres Geldes auf unseren Alltag auswirkt. Dabei
eröffnet er eine faszinierende Perspektive: Bitcoin als möglicher Ausweg aus
diesem System. Bitcoin vereint revolutionäre Technologie mit den
Grundprinzipien eines stabilen Geldsystems. Ob als Wertspeicher, Zahlungsmittel
oder digitales Investment – Bitcoin bietet vielfältige Möglichkeiten. Für den
Autor steht dabei ein Aspekt im Zentrum: die kompromisslose Ehrlichkeit dieser
Innovation. Ein aufschlussreicher Wegweiser für alle, die verstehen möchten,
warum unser aktuelles Geldsystem ungerecht ist und welche Chancen Bitcoin
bietet. Das Buch erscheint am 27. Mai 2025 (ISBN 978-3-949098-59-8).
Im 22. Krypto-Talk von DONNER & REUSCHEL und TiAM FundResearch sprach Dr. Alex von Frankenberg mit Carsten Mumm und Frank Kuhn. Hier gibt es die Aufzeichnung als Video:
Diesen Beitrag teilen: