Timo Steinbusch, Leiter Portfoliomanagement der apoBank hat
sich dazu schon Gedanken gemacht. „Das
chinesische Startup DeepSeek zeigt, dass Innovation nicht immer teure Hardware
braucht – das ist eine Kampfansage an den Status quo der KI-Industrie. Die
Marktreaktion zeigt die Anfälligkeit, die sich durch die hohe Bewertung gerade
bei den großen US-Technologie-Giganten ergibt.“
China ist nicht von den USA abhängig
Das chinesische Startup DeepSeek hat laut dem apo-Manager damit
einen großen Stein ins Rollen gebracht. „Die Veröffentlichung dieses Modells
ist nicht nur ein technologischer Meilenstein, sondern ein Weckruf für
etablierte Unternehmen. Die großen US-KI-Firmen müssen sich drauf einstellen,
dass Innovation zunehmend durch Effizient und Zugänglichkeit definiert wird.
Wettlauf um Effizienz hat begonnen
Technologische Dominanz sei kein Privileg mehr, sondern ein
Wettlauf, bei dem die effizientesten und nicht unbedingt die größten Akteure
gewinnen werden.
„China zeigt damit, dass eine Emanzipation von der
US-Technologieführerschaft möglich ist. Die jüngsten Ereignisse werfen einen
Schatten auf die für diese Woche erwartenden Unternehmenszahlen und den
Unternehmensausblick der führenden US-Technologie-Werte“, so Steinbusch weiter.
US-Dominanz wird hinterfragt
Auch Oliver Blackbourn, Portfoliomanager, Multi-Asset-Team,
Janus Henderson Investors, kommentiert die jüngsten Ereignisse: „Der Technologiesektor erlebt einen ziemlich schaurigen
Wochenstart: Die KI-Dominanz einer kleinen Anzahl von Unternehmen wird
hinterfragt – die erste ernstzunehmende Herausforderung. Die Entwicklung eines
potenziell effizienteren Ansatzes für die KI-Verarbeitung stellt die erwarteten
Milliardeninvestitionen in Infrastruktur und geistiges Eigentum in Frage.“
Hohe Bewertungen machen Märkte anfällig
KI wird laut Blackbourn als sehr komplexer
Entwicklungsbereich angesehen. Den Vorreitern wird ein technologischer Vorteil
zugeschrieben, der ihnen auch in Zukunft schnelles Wachstum bescheren dürfte. „Das
erwartete hohe Gewinnwachstum wurde als Rechtfertigung für sehr hohe
Bewertungen herangezogen und machte sie sehr anfällig für Enttäuschungen.
Wettbewerb schien immer die größte Bedrohung zu sein, aber auch diejenige, die
von Anlegern am schwersten einzuschätzen ist. Die Marktreaktion auf eine
wahrgenommene Veränderung der Wettbewerbslandschaft erweist sich als brutal.“ Vor der heutigen US-Eröffnung sind laut Janus
Henderson die NASDAQ 100-Futures um 3,9 Prozent gefallen, und ASML Holdings,
eines der am stärksten vom KI-Thema betroffenen Unternehmen in Europa, ist um
über zehn Prozent gefallen.
„Es ist zwar leicht, vorschnell zu handeln, aber man darf
auch nicht vergessen, dass die hohen Erwartungen die Bewertungen des gesamten
US-Aktienmarktes und damit auch der globalen Aktien in die Höhe getrieben
haben. Sollten die Bewertungen von US-Aktien deutlich sinken, besteht die
Gefahr, dass sich dies auf andere hoch bewertete Bereiche in Europa und Asien
ausweitet.“
Crashgefahr ist gestiegen
Da die US-Verbraucher stärker als je zuvor von den
Aktienmärkten abhängig seien, bestehe die Gefahr einer weiteren negativen
Rückkopplung, sollte das Vertrauen der Verbraucher schwinden. „Ein
signifikanter Rückgang der Indikatoren für die Finanzlage aufgrund von
Verlusten an den Aktienmärkten könnte den Ausblick der Fed recht schnell
ändern.“ (jk)
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