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Matthias Born: „Langfristig spricht viel für europäische Small Caps“

Matthias Born
Aktienfonds

Berenberg-CIO Matthias Born über die Börsenaussichten in diesem Jahr, attraktive Investmentchancen und die richtige Portfoliomischung.

27.02.2025 | 10:30 Uhr von «Peter Gewalt»

TiAM FundResearch: Herr Born, ein kurzer Rückblick. Wie fällt Ihr Résumé für das Börsenjahr 2024 aus?

Matthias Born: 2024 war definitiv ein gutes Jahr für viele Anleger. Vor allem, wenn man sich die Entwicklung des MSCI World oder speziell des S&P 500 ansieht, war das ohne Frage ein Superjahr. Aber: Es gab auch eine Reihe von Segmenten und Regionen, die nicht so stark performt haben. Europa, und hier insbesondere Small Caps in Europa, auf die wir bei Berenberg stark setzen, hinken ihrem Bewertungspotential hinterher. Hier war vor allem das eingetrübte konjunkturelle Umfeld in Europa das Problem.

Was muss passieren, dass es in diesem Jahr in Europa besser läuft?

Der Trigger dafür ist eine Erholung der Konjunktur in Europa. In einigen Sektoren wie dem Service- und Konsumsektor sieht es in Europa ja gar nicht so übel aus. Aber ein wirtschaftlicher Aufschwung hängt vor allem von einer Erholung der deutschen Industrie ab, die schon länger in der Krise steckt.

Weshalb?

Von der Entwicklung der Industrie hierzulande können sich die anderen europäischen Länder nicht entkoppeln, da sie alle mit Deutschland sehr eng vernetzt sind. Drei Faktoren sind meiner Meinung entscheidend, dass es zu einem industriellen Comeback kommt.

Welche Faktoren sind das?

Viel hängt erstens vom Zinsumfeld ab. Und das sieht angesichts der Zinswende der EZB deutlich freundlicher aus als noch vor einem Jahr. Ein zweiter entscheidender Faktor für eine Erholung ist eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage auf dem wichtigen Exportmarkt China. Der dritte wichtige Punkt ist, dass der Lagerabbau ein Ende findet. Denn die Industrie, aber nicht nur sie, hat in der Pandemie ihre Lager gefüllt, weil die Angst vorherrschte, dass die Lieferungen ausfallen. Dann kam der Abschwung und die Lager in vielen Branchen waren auf einmal zu voll. Und dieser Lagerabbau hält bis heute an. Das soll heißen: Eine Normalisierung von Zinsen, eine Verbesserung der Lage in China und normalisierte Lager könnten die Industrie wieder in Schwung bringen. Aber auch die USA könnten für Impulse sorgen, neben China der wichtigste Exportmarkt außerhalb Europas - wenn da nicht das Damoklesschwert Zölle über uns hängen würde.

Und wie sieht die Lage aktuell aus?

Erste Zeichen stimmen uns positiv, dass es in Europa zu einer leichten konjunkturellen Erholung kommt. Und die ist sehr wichtig, denn dann werden internationale Anleger auch wieder mehr Geld in Europa investieren. Das dürfte sich vor allem für zyklische Werte, als auch für viele Small-Cap-Titel, positiv auswirken.

Hoffen Sie auch auf Nachholeffekte bei Nebenwerten vor diesem Hintergrund einer Erholung?

Ja, sicherlich. Wenn die Zuflüsse wieder zurückkommen Richtung Europa, dann wird sich das besonders bei europäischen Small Caps sehr positiv auswirken, denn sie sind im Vergleich zu den Large Caps historisch sehr günstig bewertet. Angesichts der geringen Liquidität im Markt braucht es nicht viele Kapitalzuflüsse in das Segment, damit die Kurse deutlich steigen. Langfristig spricht ohnehin viel für europäische Small Caps. Sie bieten allein aufgrund ihres höheren Wachstumstempos deutlich mehr Gewinnpotenzial als Large Caps.

Welche Titel haben Sie sonst noch im Auge?

Wir setzen in unseren Portfolios nicht nur auf Werte, die Aufholpotenzial haben, sondern auch auf die, die von langfristigen strukturellen Trends profitieren. Ich glaube, diese Kombination von Titeln mit Aufholpotenzial sowie Profiteuren von langfristigen Trends ist aktuell die richtige Mischung.

Welche Trends sind das?

Bei unseren Kernsektoren Konsum, Technologie, Industrie und Gesundheit finden wir viele Wachstumstrends, die bei uns besonders im Fokus stehen, da sie sicherlich den Markt noch länger stark beeinflussen dürften. Man kann hier sogar von Megatrends sprechen.

Haben Sie ein paar konkrete Beispiele?

Ein Beispiel in unserem Portfolio ist das Industrieunternehmen Schneider Electric, das vom Datencenter- und Netzausbau stark profitiert. Im Technologiebereich mögen wir Softwarefirmen. Hier halten wir SAP als größte Position im Fonds, zudem den Bausoftwarehersteller Nemetschek. Im Konsumbereich in Europa setzen wir auf Luxusgüterfirmen wie Richemont und Hermes, deren Wachstum trotz eines schwachen chinesischen Konsumenten weiter sehr robust ist. Im Pharmabereich gehören Novo Nordisk und Astrazeneca dazu. Der Sektor hat sich im vergangenen Jahr unterdurchschnittlich entwickelt. Das hatte einerseits unternehmens- und wachstumsspezifische Gründe, aber auch die Trump-Wahl sorgte in der Branche für Unsicherheiten, da es regulatorische Änderungen geben könnte. Wir sehen hier eine attraktive Gelegenheit.

Welche Rolle spielen Finanzwerte bei Ihnen, die ja zuletzt sehr gut abgeschnitten haben?

Wir haben Finanzwerte im Portfolio, aber nicht die klassischen großen Banken und Versicherer, die die letzten zwei Jahre besonders stark performt haben. Denn wir wollen in Firmen investieren, die mit hoher Wahrscheinlichkeit langfristig zweistellig wachsen können. Und bei Banken sehen wir kein Geschäftsmodell, das langfristig auf diesem Level nachhaltig wächst. Das heißt aber nicht, dass wir gar keine Finanzwerte berücksichtigen.

Welche haben Sie im Portfolio?

Wir haben Finanzdatenanbieter wie die London Stock Exchange und Deutsche Börse in den Fonds, die sich in den vergangenen Jahren zwar positiv, aber eben auch nicht so gut wie die Banken entwickelt haben. Und dann investieren wir in die kapitalmarktorientierten Geschäftsmodelle in Form von Private-Equity-Firmen, aber auch Online-Plattformen wie Swissquote. Auch Bezahltechnologieanbieter wie Adyen befinden sich auf einem strukturellen Wachstumspfad.

Gab es in den vergangenen Monaten große Verschiebungen in Ihren Fonds, die die von Ihnen erwähnten vier Säulen betrifft?

Nein, da gab es keine substanziellen Veränderungen. Normalerweise ergeben sich Verschiebungen nur auf Einzeltitelbasis, da wir als Stock Picker agieren. Die beiden großen Themen der letzten Monate, DeepSeek und Trump 2.0 haben dennoch zu einigen wenigen Anpassungen geführt. Im KI-Bereich verschiebt sich die Präferenz hin zu Softwareanbietern und IT-Consultants. Trump 2.0 führt dazu, dass wir uns robust hinsichtlich der möglichen Zölle aufstellen.

Wie suchen Sie nach neuen Titeln?

Ein großer Baustein sind nach wie vor die vielen Gespräche mit Unternehmen weltweit. Dies dient einerseits dazu, die Geschäftsmodelle im Detail zu verstehen, aber auch nach neuen Ideen und Trends Ausschau zu halten. Zudem verbessern wir unsere Tools, einerseits unsere Screening-Methoden, um Kriterien wie Gewinnmomentum und Qualität noch zielgenauer herausfiltern zu können. Zudem arbeiten wir auch mit KI, um die Effizienz zu steigern, das heißt Informationen schneller und umfassender zu erfassen und für uns passgenau aufzuarbeiten. Der Portfoliomanager bleibt dabei aber sowohl Entscheider als auch Ideengeber bezüglich neuer Titel und Trends, die wir an den Märkten sehen.

Herr Born, ich danke für das Gespräch.

Zur Person:

Matthias Born ist seit 2017 CIO Equities und seit 2019 zudem Head of Investments im Wealth and Asset Management. Born managt zudem den Berenberg Eurozone Focus Fund und des Berenberg European Focus Fund. Born begann seine Karriere 2001 bei Allianz Global Investors (AGI), wo er von 2002 bis 2017 Portfolios für europäische Small-Caps, europäische Wachstumstitel und deutsche Aktien verwaltete. Er studierte an der Universität Würzburg und hält einen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre.

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