TiAM FundResearch: Herr Kramert, welche Anlegergruppe haben Sie
mit dem Deka-DividendenStrategie im Auge?
Kramert: Mit dem
Deka-DividendenStrategie bieten wir den Kunden ein Basisinvestment, das
aktienadäquate Renditen bei einem überschaubaren Risiko erzielt. Wir achten
dabei auf eine überschaubare Schwankungsintensität, die niedriger ausfallen
soll als auf dem breiten Aktienmarkt. Der Fonds eignet sich sowohl für
Börsenneulinge als auch für erfahrene Aktienfondssparer. Auch für Anleger, die noch
nicht am Kapitalmarkt aktiv waren, kann der Fonds eine gute
Einstiegsmöglichkeit sein. Wir wollen auch das Kernbedürfnis derjenigen
Privatkunden treffen, die regelmäßig Ausschüttungen erhalten möchten: Der Fonds
schüttet zweimal im Jahr attraktive (Dividenden)Erträge an die Anleger aus.
Welche Strategie verfolgen Sie bei der
Auswahl der Dividendentitel?
Wir setzen auf Unternehmen mit überdurchschnittlicher
Dividendenqualität.
Diese setzt sich aus der Dividendenrendite, Dividendenkontinuität und
Dividendenwachstum zusammen. Die Dividenden bieten gerade in Phasen
sinkender Kurse einen Sicherheitspuffer. Aber auf die Dividenden zu schauen,
ist für uns kein Selbstzweck. Eine nachhaltig positive Wertentwicklung ist uns
genauso wichtig. Daher fokussieren wir uns auf Qualitätsunternehmen, die in der
Lage sind, hohe Margen und angemessene Kapitalrenditen zu erwirtschaften.
Worauf achten Sie dabei?
Wir beschäftigen wir uns speziell mit Fragen, wie
stark und wie innovativ das jeweilige Geschäftsmodell ist. Ist es
krisenresistent und robust? Verfügen die Unternehmen über ausreichende
Substanz? Haben sie eine Bilanzstruktur, die Schwankungen in der Nachfrage
tolerieren und die es auch erlaubt, bei einem anspruchsvolleren Zinsumfeld die
Profitabilität stabil und hoch zu halten.
In
welchen Sektoren werden Sie fündig?
Die drei Kernsektoren sind Gesundheit,
Technologie und Finanzen. Gesundheitsunternehmen bieten sehr stabile
Geschäftsmodelle, sind durchaus profitabel und offerieren zudem adäquate
Dividendenrenditen. Auch im Technologiesektor gibt ordentliche
Dividendenzahler, hier aber steht die Zukunftsfähigkeit der Geschäftsmodelle im
Vordergrund. Der dritte Bereich ist der Finanzsektor. Hier finden wir viele
Unternehmen, die außerordentlich dividendenstark sind. Alle drei Sektoren sind ausgewogen
im Portfolio vertreten. Auch der Industriebereich spielt für uns eine große
Rolle. Hier finden wir große Veränderungsbereitschaft und Innovationskraft und sehen
Wachstumsmöglichkeiten. Die Industrie von heute ist ganz anders aufgestellt als
vor 25 Jahren. Ein Beispiel ist Siemens. Das Unternehmen ist ein solider Dividendenzahler mit positiver
Umsatz- und Gewinnprognose.
Welche Technologieunternehmen schauen Sie
sich besonders an?
Es gibt zahlreiche Werte aus
verschiedenen Technologiesektoren, die sehr interessant sind. Wir schätzen etwa
Unternehmen aus dem Halbleitersektor sehr, deren Cashflows und Profitmargen
sehr gut sind. Die Unternehmen sind extrem gut organisiert, besitzen sehr viel
Knowhow. Zudem sehen wir tendenziell eine große Abhängigkeit der Kunden, was
sich in einer sehr hohen Profitabilität der Halbleiterunternehmen
niederschlägt. Aber auch Ausrüster, Software- und Hardwareanbieter bieten viel
Potenzial.
Wie sieht das aktuelle Portfolio aus?
Der Fonds umfasst rund 150 Titel, die
im Fonds mit durchschnittlich 65 Basispunkte gewichtet sind. Wir verfolgen als
Stock Picker vorrangig einen Bottom-Up-Ansatz. Das heißt, das Portfolio
ergibt sich überwiegend durch die Einzeltitelauswahl, nicht durch eine
makroökonomische Gewichtung. Allokationsstrukturen machen wir uns dennoch bewusst
und greifen auf dieser Ebene ebenfalls ein. Natürlich ist der eine oder andere
Wert etwas höher gewichtet. Das hängt nicht zuletzt von der Kapitalisierung des
Unternehmens und der Liquidität der Aktie ab. Die Handelsliquidität ist für uns
ein wichtiger Parameter, denn der Fonds umfasst ein Volumen von mehr als 14
Milliarden Euro.
Welche regionalen Schwerpunkte hat das
Portfolio?
Rund die Hälfte des Fondsvermögens ist
in Nordamerika, speziell den USA und Kanada, etwa 40 Prozent in Europa und etwa
zehn Prozent im Rest der Welt investiert. Hier machen japanische Werte etwa
fünf Prozent aus, der Rest sind Werte aus China, Australien, Singapur etc.
Warum
sind Sie so gering in Schwellenländern, insbesondere China, engagiert?
China ist unter
Dividendengesichtspunkten nicht attraktiv, aber auch andere Faktoren sprechen
gegen ein zu starkes Engagement. Da ist die negative demografische Entwicklung,
die politische Einflussnahme Pekings in die Unternehmen und das Nachwirken der
Immobilienblase. Alles in allem sind das zu viele Belastungsfaktoren.
Wie
sind die Aussichten für Dividendenrenditen und Wachstum des Fonds?
Der Fonds hat derzeit eine
durchschnittliche gewichtete Dividendenrendite von etwa drei Prozent im Portfolio,
die durch Mischung der Dividendenrendite der Einzelwerte zustande kommt. Wir liegen
nach unserer Analyse etwa 1,1 bis 1,2 Prozentpunkte über dem MSCI
Welt-Durchschnitt. Für den Gesamtmarkt errechnen wir ein längerfristiges
durchschnittliches Dividendenwachstum von 5,5 bis 6 Prozent. Das kommt unseren
Schätzungen zum künftigen Gewinnwachstum der globalen Unternehmen sehr nahe.
Sie befürchten 2024 keine Rückschläge durch
die sich eintrübende Konjunktur?
Die gute Nachricht: In Krisen werden
die Dividenden tendenziell weniger stark gekürzt. Und je reifer dann auch eine
gute Konjunkturentwicklung ist, desto stärker ist dann auch der Aufwärtsdruck
auf die Dividenden. Langfristig ist für mich das realistischste
Wachstumsszenario im Schnitt jährlich etwa 5,5 bis 6 Prozent Dividendenwachstum
- auch für 2024. Dafür ist die Konjunktur, auch wenn sie in vielen Aspekten
schwach aussieht, stark genug. Die Unternehmen können immer noch ausreichend
hohes Gewinnwachstum realisieren. So sehen die börsennotierten Unternehmen wegen ihrer Anpassungsmaßnahmen, seien es Preiserhöhungen, seien es
Effizienzmaßnahmen wie Kostensenkungen tatsächlich Potenzial für weitere
Ertragszuwächse - immer unter der Maßgabe, dass es keine Verschärfung der Krise
geben wird.
Sie sind seit Ende 2020 Fondsmanager des
Deka-DividendenStrategie. Seither hat sich die Performance des Fonds
verbessert. An welchen Stellschrauben haben Sie seit Ihrem Amtsantritt gedreht?
Ich würde drei Dinge hervorheben, die
sich verändert haben. Erstens haben wir den Nordamerikaanteil im Portfolio erhöht.
Unsere Überzeugung ist es, dass es sich lohnt, in solch starken Unternehmen mit
außergewöhnlichen Geschäftsmodellen zu investieren, auch wenn sie von der
Bewertung her ein bisschen teurer sind. Nordamerikanische Unternehmen bringen
dank ihrer Qualität sehr starke Kapitalrenditen mit sich und tragen zudem aufgrund
ihrer sehr speziellen Ausrichtung viel zu Portfoliodiversifikation bei.
Und zweitens?
… nutzen wir ein zusätzliches quantitatives
Modell zur Erfassung der Faktorrisiken. Dadurch versuchen wir verstärkt, die
Volatilität der Portfolioperformance durch den Einsatz unter anderem von Calls
noch stärker zu glätten. Wir
gehen zudem die Allokationsstruktur des Fonds sowie der Performance der
Einzelwerte regelmäßig sehr, sehr
dezidiert in einer Besprechung durch und fragen uns dann, ob und was wir verändern müssen, wenn es neue Impulse gibt
wie etwa durch geopolitische Einflüsse.
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