Zum 75. Geburtstag kann man schon mal was springen
lassen. Das dachten sich die Machthaber in Peking um Staatspräsident Xi
Jinping vergangene Woche und schnürten ein dickes Geldgeschenkpaket, das
der der heimischen Wirtschaft Schwung verleihen soll. Denn ausgerechnet im
Jubiläumsjahr sieht es düster aus am chinesischen Konjunkturhimmel. Wie düster,
das zeigten neue Konjunkturdaten. Demnach sind Chinas
Industriebetriebe den fünften Monat in Folge angesichts der unsicheren
Wirtschaftslage wenig optimistisch. Der staatliche Einkaufsmanagerindex (PMI)
für das herstellende Gewerbe lag im September bei 49,8 Punkten, wie das chinesische
Statistikamt in Peking Montagnacht (MEZ) mitteilte. Zwar stieg der für
Investoren und Entscheider wichtige Frühindikator im Vergleich zum Vormonat um
0,7 Punkte. Allerdings lag der Wert weiter unter 50 Punkten, was eine
schrumpfende Industrieaktivität signalisiert.
Klar ist, dass das selbst gesteckte Wachstumsziel von
rund fünf Prozent für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt unter anderem
wegen der Immobilienkrise und des schwachen Konsums im Inland wohl nicht mehr
erreicht werden kann. Zu den Hilfsmaßnahmen Pekings zählen nun neben
Zinssenkungen, mehr Liquidität für Banken und Maßnahmen zur Unterstützung des
angeschlagenen Immobilienmarktes sowie die Ankündigung eines Staatsfonds zum
Kauf von Aktien. Zudem gehen Experten davon aus, dass Peking 2024 zusätzliche Staatsanleihen
in Höhe von zwei Billionen Yuan (umgerechnet 500 Milliarden Euro) emittieren
wird, um den Konsum zu stärken und regionalen Regierungen bei der Bewältigung
ihrer Schuldenprobleme zu helfen.
Und das Präsent kam gut an, zumindest was die Reaktion
der Märkte betrifft. Der CSI 300 Index verzeichnete den stärksten Anstieg seit
Juli 2020. Und auch im Rest der Welt will man mitfeiern. Der DAX kletterte
genauso auf ein neues Rekordhoch wie der S&P 500. Neben Chinas
Konjunkturmaßnahmen waren aber auch die vorausgegangenen Zinssenkungen der Fed
und EZB ein Stimmungsaufheller. Und die
Bedingungen, um die Zinsen noch weiter zu senken, verbessern sich aktuell. Denn
von der Inflation gibt es grünes Licht. „Insbesondere in Europa deuten neue
Daten auf einen weiter nachlassenden Inflationsdruck hin", erklärt Ulrich
Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. „Das spricht für schnellere Zinssenkungen
als bisher erwartet." Die europäischen Verbraucherpreise am Dienstag
könnten dieses Szenario bestätigen. „Gesunkene Preise von Benzin, Diesel und
Heizöl sowie negative Basiseffekte bei Energiegütern dürften dazu geführt
haben, dass die Inflation im Euroraum im September auf 2,0 Prozent
zurückgegangen ist", prognostiziert Kater gegenüber der dpa.
Das sind die wichtigsten Termine diese Woche:
Am Montag Chinas
Statistikamt veröffentlicht den Einkaufsmanagerindex (PMI) für das herstellende Gewerbe für
September.
Das
Statistische Bundesamt gibt seine erste Schätzung für die Inflationsrate
September 2024 bekannt (erste Schätzung). Der Rückgang der Energiepreise sollte
sich auswirken. Die Gesamtrate dürfte von 1,9 Prozent auf 1,5 Prozent
zurückgehen.
Am Dienstag wird die Europäische Statistikbehörde
Eurostat ihre Schnellschätzung Inflation Euroraum für den September 2024
veröffentlichen. Hier sollte die Rate von 2,2 Prozent auf 1,8 Prozent fallen.
Am Mittwoch veröffentlicht der
Maschinenbauverband VDMA den Auftragseingang August 2024. Hier dürfte sich die
Talfahrt für Deutschlands wichtige Konjunkturstütze fortsetzen.
In den USA
werden die nationalen Einkaufsmanagerindizes für den September für das
verarbeitende Gewerbe Aufschluss geben. Experten zufolge dürfte der ISM-Index
sich leicht erholen, aber weiterhin mit 47,5 Punkten unter dem Wachstumswert
von 50 notieren.
Am Freitag möchte der Wissenschaftsverlag
Springer Nature den Sprung an die Frankfurter Börse wagen.
In den USA
stehen die Daten zur Arbeitslosenquote im September im Mittelpunkt. Experten
erhoffen sich einen Hinweis darauf, ob die US-Wirtschaft das erhoffte Soft
Landing bewerkstelligen kann. Denn sollte sich der Trend zum langsameren
Stellenaufbau fortsetzen, könnte im November ein weiterer von den Börsen
erhoffter Zinsschritt der US-Notenbank folgen. (pg/dpa-afx)
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