AfW-Vorstand Frank Rottenbacher war vor Ort und
ordnet die Aussagen insbesondere mit Blick auf die Retail Investment Strategy
(RIS) ein, deren Inhalte künftig auch für unabhängige Vermittlerinnen und
Vermittler in Deutschland von Bedeutung sein dürften.
Die EU-Kommissarin präsentierte die neue Savings and Investment Union (SIU),
die vier strategische Säulen umfasst: Förderung privater Investitionen,
Verbesserung der Pensionssysteme, Stärkung der finanziellen Bildung und
Erleichterung des Kapitalzugangs für Unternehmen. Die Retail Investment
Strategy, die bereits 2023 vorgeschlagen wurde, bleibt ein zentrales Element
dieses Gesamtkonzepts. Sie unterstrich die zentrale Rolle von Retail-Investoren
für die Kapitalmärkte und plädierte dafür, diese zu befähigen, ihre eigenen
Anlageentscheidungen zu treffen und die für sie passenden Dienstleistungen
auszuwählen. Albuquerque betonte, dass viele Bürgerinnen und Bürger derzeit vom
Kapitalmarkt ausgeschlossen seien – unter anderem wegen komplexer
Informationen, mangelnder Transparenz und fehlenden Vertrauens.
„Als AfW sehen wir in diesen
Aussagen wichtige Anknüpfungspunkte für die Tätigkeit unabhängiger
Versicherungs- und Finanzanlagenvermittlerinnen und -vermittler, die eine
entscheidende Rolle dabei spielen, Privatanlegerinnen und Privatanleger bei
diesen Entscheidungen zu unterstützen. Kleinanleger zu stärken und ihnen den
Zugang zu geeigneten, qualitativ hochwertigen Finanzprodukten zu erleichtern,
ist somit ein gemeinsames Ziel“, so die Einschätzung von
AfW-Vorstand Frank Rottenbacher.
Besonders kritisch äußerte sie sich zu Produkten mit unzureichendem „value for
money“. Zukünftige Regelungen sollen sicherstellen, dass Verbraucherinnen und
Verbraucher fair behandelt werden, Zugang zu besseren Produkten erhalten und
durch verständlichere Informationen fundierte Entscheidungen treffen können.
Die Kommission engagiert sich dafür, zusätzliche Investitionsmöglichkeiten
zu eröffnen und die langfristigen Ergebnisse für Kleinanleger und Sparer
zu verbessern. Diese „savings and investment accounts“ könnten neue
Produktkategorie darstellen. Derzeit arbeite die Kommission daran, besser zu
verstehen, was in diesem Bereich in den Mitgliedsstaaten bereits funktioniert
und wie Investitionen in die Kapitalmärkte gefördert werden können.
Zur zeitlichen Umsetzung der Maßnahmen äußerte sich Albuquerque vorsichtig,
machte aber gleichzeitig klar, dass die Zeit zum Handeln nun gekommen sei. „The
time is now“, erklärte sie und ergänzte, dass die Europäische Kommission in den
kommenden Monaten konkrete Schwerpunkte setzen und bestimmte Vorhaben zur
Umsetzung der Retail Investment Strategy sowie der Savings and Investment Union
vorrangig behandeln werde. Eine vollständige Umsetzung der vorgesehenen
Regelungspakete sei nach aktuellem Stand nicht vor dem zweiten Halbjahr 2025
realistisch.
Aussagen zu einem möglichen Provisionsverbot oder zur
Weiterbildungsverpflichtung wurden nicht getroffen.
Der AfW wird den Fortgang der Trilog-Verhandlungen in Brüssel weiterhin eng
begleiten. Ziel bleibt es, eine praxisnahe, qualitativ hochwertige und
unabhängige Beratung durch Versicherungsmakler:innen sowie Finanzanlagen- und
Immobiliardarlehensvermittler:innen auch unter künftigen regulatorischen
Rahmenbedingungen zu sichern. (pg)
Diesen Beitrag teilen: