TiAM FundResearch:
Herr Leber, 2024 war ein tolles Börsenjahr. Zu verdanken haben wir das vor
allem den Magnificent 7. Die sieben großen US-Techaktien haben den ganzen Markt
nach oben gezogen. Geht das so weiter?
Hendrik
Leber: Der
Optimismus in diesen Titeln ist schon sehr groß. Mich erinnert das an den Hype
um Technologietitel um das Jahr 2000. Da war auch ein Maximum an Erwartungen in
den Kursen drin. Die Microsoft-Aktie ist danach aber erst einmal über zehn
Jahre seitwärts gelaufen. Das passiert bei so gehypten Titeln, dass die
Erwartungen erst mal abgearbeitet werden müssen.
Und das
passiert jetzt wieder?
Das ist die
Masterfrage. Die Erwartungen können auch noch ein Jahr lang befeuert werden.
Aber irgendwann sacken die Kurse ab und laufen seitwärts.
Trotzdem
muss man eine Entscheidung fällen, wenn man die Titel besitzt. Wie gehen Sie da
vor?
Ich schaue
mir die einzelnen Werte genau an. Microsoft, Amazon und Alphabet halten wir im
Portfolio. Bei allen drei ist das Cloud-Business ein wichtiger Umsatztreiber,
das weltweit sehr stark ist. Der Versandhandel von Amazon interessiert mich
dagegen gar nicht, der hat langfristig keine finanzielle Bedeutung. Alle drei
Firmen sind auch im KI-Business unterwegs. Hier ist Microsoft mit OpenAI der
dominante Player, aber das kann sich schnell ändern. Nachteil bei Alphabet ist,
dass der Konzern stark von den Online-Werbebudgets abhängt, die kaum noch
wachsen werden. Dafür ist die Aktie im Vergleich zu den anderen aber recht
günstig. Das Unternehmen wird ein bisschen unterschätzt.
Der
Überflieger unter den Magnificent 7 war 2024 der KI-Chiphersteller Nvidia. In
Ihrem Fondsportfolio zählt das Papier zu den Top-5-Positionen.
Ja, wir
haben die Aktie seit sieben Jahren. Aber ich habe die Position in den
vergangenen zwölf Monaten 14-mal reduziert. Die Weltmarktführerschaft bei
KI-Chips kann der Konzern noch ein paar Jahre verteidigen. Aber irgendwann holt
die Konkurrenz auf. Ich denke, der Kurs hat sein Plateau erreicht, viel höher
wird es nicht gehen.
Bleiben
noch Meta, Tesla und Apple…
Meta ist
interessant. Ich habe die neuen Ray-Ban Meta Smartglasses probiert, mit der man
ganz einfach Fotos und Videos aufnehmen, telefonieren und Musik hören kann.
Wenn sich die durchsetzt, dann ist Meta superspannend. Dann ist auch die
Bewertung der Aktie noch günstig.
Tesla ist
mir hingegen zu erratisch. Die Firma profitiert jetzt zwar davon, das Elon Musk
Teil des Trump-Teams ist. Aber langfristig wird das Tesla-Geschäft viel stärker
mit der Autokonjunktur schwanken als heute. Diese Erkenntnis wird die Aktie,
die weit vorausgeeilt ist, noch einholen.
Schließlich
noch Apple: Die Kundenbasis des Konzerns lässt sich kaum noch ausweiten. Jeder,
der sich Apple leisten kann, besitzt schon ein Gerät. Und die Chinesen setzen
zunehmend auf heimische Produkte. Wachstum ist daher fast nur noch bei den
Nutzungsraten zu erzielen. Unterm Strich ergibt das ein stabiles Ökosystem,
aber mit geringem Potenzial. Die Aktie brauche ich nicht. Da steht der Kurs
auch schon auf dem Hochplateau.
Gibt es
2025 neue Magnificent-Aktien?
Da habe ich
tatsächlich einen Kandidaten: Palantir. Der Big-Data-Konzern macht KI erst
richtig nutzbar. Denn die Daten für KI-Anwendungen sind überall verstreut und
schwer zugänglich, und Palantir packt sie zusammen. So wie gerade beim National
Health Service in UK. Da gibt es ein digitales System für Ärzte und eins für
Krankenhäuser – da passt gar nichts zusammen. Palantir ist das einzige
Unternehmen, das solche Probleme zügig lösen kann – für Behörden und
Unternehmen. Das ist ein gigantischer Markt. Wahrscheinlich wird Palantir nicht
ganz so groß wie Nvidia, aber auf jeden Fall viel größer als heute. Viele haben
das noch nicht erkannt.
Diesen Beitrag teilen: